14.05.2011 Wankendorf
Bilder Christian Bukow:
Brüeler Kameraden folgten einer Einladung ihrer Partnerwehr Schönkirchen
Drei Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Brüel folgten am 14. Mai 2011 einer Einladung ihrer Partnerwehr aus Schönkirchen. Kein gesellschaftliches Ereignis stand auf dem Programm, sondern der gemeinsame Besuch der Übungsanlage in Wankendorf war angedacht. Hier können Realbrand-Szenarien erzeugt werden, wie sie auch im Feuerwehralltag auftreten.
Nach einer herzlichen Begrüßung folgte vom Einsatzleiter sein erster Befehl: „Wasser trinken! Eine Flasche Minimum!“ Die Brüeler schauten sich verwundert an, was dem Einsatzleiter nicht verborgen blieb. Sein Kommentar: „Ihr werde es brauchen!“
Der anschließenden Belehrung folgte die einsatztaktische Unterweisung in der Anlage: jeder Schritt, jeder Übungsablauf wurde einmal trocken durchgespielt. „Hier wird das Feuer entzündet. Wenn der Stapel Holzpaletten dann in voller Ausdehnung brennt, wird die Luft im Brandcontainer eine Temperatur von etwa 500 Grad erreicht haben. Dann beginnen wir mit dem Übungsablauf.“ Eine abschließende Frage des Einsatzleiters: „ Alles verstanden? Habt Ihr noch Fragen?“ Kurz darauf erging der Befehl: „Anzünden!“
Die acht Mann starke Gruppe machte sich derweil auf den Weg in die Ausrüstungskammer. An die Kameraden erging die Aufforderung, Uhren, Ringe, Piercings, Feuerzeuge, Taschenmesser und Bekleidung aus Kunstfasern abzulegen. Hintergrund: metallische Gegenstände nehmen die Hitze sehr schnell auf und speichern diese sehr lange. Es kann dann zu ernsthaften Verbrennungen kommen. Kunstfasern schmelzen bei Hitzeeinwirkung zusammen und können die Haut schädigen.
Ein Sprichwort besagt „Was vor Kälte schützt schützt auch vor Hitze“. So zogen sich die Kameraden über ihre Jeans die dicken Einsatzhosen an, und über diese noch eine weitere Schutzhose. Diese neuen Schutzhosen halten wesentlich höheren Temperaturen stand, halten die Hitze vom Feuerwehrmann noch fern, wenn die normalen Einsatzhosen schon längst versagen. Auch für den Kopfbereich gibt es neuartige Flammschutzhauben. Diese schützen den empfindlichen Bereich des Kopfes und des Halses vor der ungeheuren Hitzeeinwirkung. Da die Brüeler Kameraden nicht im Besitz dieser neuartigen Schutzkleidung sind, mussten sie sich diese bei den Schönkirchenern kurz ausborgen.
Zwischenzeitlich hatte der Brandcontainer seine Einsatztemperatur erreicht: 477 Grad zeigte das Thermometer an. Eine letzte Überprüfung der Ausrüstung, dann ging es zur Brandgewöhnung in den Brandcontainer. Bei Licht zeigten die Ausbilder die speziellen Gefahren auf, die bei einem Brand unter wenig Sauerstoff die Sicherheit der Bewohner und ihrer Retter gefährden können. Dann wurden die Türen geschlossen.
Bei völliger Dunkelheit lagen die Kameraden mit ihren Ausbildern im etwa 10 m langen „Flur“ auf dem Fußboden. Jeder Feuerwehrmann erhielt eine spezielle Einweisung in der Handhabung einer Wärmebildkamera sowie des richtigen Löschens eines Brandherdes. Insbesondere die Handhabung eines neuartigen Hohlstrahlrohrs für die Einmannbedienung überzeugte die Kameraden.
Die Ausbilder warnten vor den Gefahren des Heißdampfes (durch das verdunstete Löschwasser) sowie den Gefahren durch durchnässte Schutzkleidung. Nasse Stellen in der Schutzkleidung lassen die Hitze schlagartig durch. Kochend heißer Wasserdampf fühlt sich auf der Haut nicht besonders gut an. Zwischenzeitlich stieg die Temperatur im Inneren des Brandcontainers auf 508 Grad an. Eigentlich noch „kühl“, denn bei Wohnungsbränden können die Temperaturen bis auf 800 Grad ansteigen.
Nach einer zehnminütigen Pause erging der neue Befehl: „Personenrettung! Eine erwachsene Person sowie ein Kleinkind befinden sich in der Wohnung. Auffinden und retten!“ Truppweise (jeweils zwei Mann) wurden die Personen aus dem verqualmten „Wohnzimmer“ gerettet. Eine große Hilfe war hier auf jeden Fall die Wärmebildkamera. Sie half sehr bei der Orientierung und beim Auffinden der zu rettenden Personen. Nachdem alle Trupps diese Übung absolviert hatten, war die erste Einheit der Brandgewöhnung abgeschlossen.
Noch zwei weitere Einheiten der Brandgewöhnung, dann dürfen die Kameraden in die „Hölle“. Mit der „Hölle“ meinen die Ausbilder den „Flashover“-Brandcontainer. Mit „Flashover“ wird die Rauchgasdurchzündung bezeichnet. Rauchgas entsteht bei einer Verbrennung, bei der dem Feuer nur sehr wenig oder gar kein Sauerstoff zur Verfügung steht. Wird dann, z.B. durch das Öffnen einer Tür Sauerstoff in den Raum gelassen, so entzündet sich das Rauchgas schlagartig. Eine Feuerwalze mit Temperaturen bis zu 1.000 Grad rast dann in Richtung Sauerstoffzugang. Diesen „Flashover“ erleben die Kameraden dann also hautnah. Diese Feuerwalze bewegt sich nur wenige Zentimeter über den Körpern der Feuerwehrleute hinweg. Wer sich nicht wohl fühlt, oder wem die Sache nicht geheuer erscheint, der sollte den Flashover lieber von außen bestaunen. Eine unbedarfte Reaktion könnte ihn in ernsthafte Schwierigkeiten bringen. Selbst die beste Schutzkleidung schützt nur für wenige Sekunden vor den Brandeinwirkungen!
Für Ihre Sicherheit möchten wir Ihnen ein paar wichtige Verhaltensregeln mitteilen:
Sollten Sie Brandgeruch oder ein Feuer wahrnehmen, so alarmieren Sie umgehend die Leitstelle! Unter der bundesweit einheitlichen Rufnummer 112 erreichen Sie sofort den richtigen Ansprechpartner, so sparen Sie die vielleicht entscheidenden Minuten. Verständigen Sie alle Hausbewohner und Nachbarn! Schließen Sie alle Fenster und Türen. Spielen Sie nicht den Helden, warten Sie auf die Rettungskräfte und weisen diesen gegebenenfalls den Weg.
In Deutschland sind mittlerweile Rauchmelder vorgeschrieben. Sollten Sie es bisher „versäumt“ haben, sich welche anzuschaffen, so holen Sie dieses bitte umgehend nach. Rauchmelder retten Leben, Ihr Leben!
Text und Foto: Michael Przibilski